Wer hat's erfunden?

Sie denken unsere Schweizer Nachbarn?

Weit gefehlt! Kaum zu glauben, aber die sonst so gemütlichen Eidgenossen waren einfach nur schneller als alle anderen und haben dieses prägnante Naturinstrument kurzerhand zu ihrem Nationalsymbol erklärt. Gutes Marketing.

Nicht die Alpen gaben ihm den Namen ...

Der Name stammt von Alm, bzw. Alp, das sind in den Sommermonaten beweidete Berggebiete. Und die gibt’s nicht nur in den Schweizer Alpen, sondern in großen Teilen der europäischen Hochgebirge sind Hirtenhörner bekannt. In Österreich, Italien, Frankreich und natürlich Deutschland war das Alphorn das Instrument der Senner.

Darüber hinaus hat unser Alphorn rund um den Globus Verwandtschaft. Die reicht vom tibetischen Horn bis zum australischen Didgeridoo! Ob die Maoris in Neuseeland, die Hirten in Villingen im Schwarzwald oder die Musiker von SennerJazz, ein ausgehöhlter Baumstamm und die Magie der Naturtonmusik eint uns.

Das Handy der Alpen

Senner, die in hoch gelegenen Gebieten oft monatelang mit ihrem Vieh auf sich selbst gestellt waren, verwendeten das Alphorn für die Kommunikation zwischen den entlegenen Almen, um Alarm zu schlagen, als Lockinstrument für ihr Vieh oder aber um nach Feierabend zu musizieren.

Letzteres kam allerdings eher selten vor, denn ein Senner hatte nicht nur die Milch zu Käse zu verarbeiten, sondern musste sich auch rund um die Uhr um sein Vieh kümmern.

Wie bringt man’s zum tönen?

Das Alphorn gehört aufgrund seiner Anblastechnik zu den Blechblasinstrumenten, obwohl es (meistens) aus Holz gefertigt wird.

Legen wir unsere Lippen auf das Mundstück und versetzen sie dabei durch die Ausatemluft in Schwingungen, so entsteht ein Ton. Die Lippenspannung bestimmt dabei die Tonhöhe. Da das Alphorn weder Klappen noch Züge oder Ventile besitzt, ist es auf 12–14 Töne der Naturtonreihe beschränkt.

Diese Naturtöne stehen nicht in einer Tonleiter, sondern in bestimmten Intervallen zueinander. Daraus Musik zu machen ist der besondere Reiz dieses urchigen Instrumentes.

Entspannung für Vieh und Mensch

Der obertonreiche Klang geht direkt unter die Haut und zieht Mensch und Tier magisch an. Kein Wunder, hat das Alphorn doch seine Wurzel nicht nur als Kommunikations-, sondern vor allem auch als Arbeits- und Lockinstrument. Die Tiere auf den Almwiesen zur Almhütte zu bringen und bei allen Arbeiten mit ihnen zu beruhigen, das war eine wichtige Aufgabe.

Alphornklänge besänftigen aber nicht nur Tiere, sondern bis heute auch den Zuhörer und vor allem den Alphornisten. Das Spiel auf diesem einfachen ausgehöhlten Baumstamm ermöglicht und fordert tiefste Konzentration nach Innen. Atemtechnik und der Verzicht auf jegliche Klappen, Züge oder sonstigen Hilfsmitteln zur Tonerzeugung macht den Mensch zum Musikinstrument. Verbunden mit der Klangwirkung in freier Natur wird das tägliche Üben zur wohltuenden Meditation.

Ein heilsamer Gegenpol und Entschleuniger in unserer schnellen, digitalen und technisierten Welt. Eine Wohltat für Körper und Seele!

Klang

Der Klang ist neben der Größe das faszinierende am Alphorn.

Das Alphorn hat einen obertonreichen und warmen Klang. Die nicht temperierten Töne sind für unser Gehör ein wenig ungewohnt und vielleicht gerade deshalb so spannend und unverwechselbar. Die Naturtöne rühren an und gehen direkt ins Herz. Die einzigartige Fernwirkung führt dazu, dass wir dieses Instrument gerne im Freien oder in großen Räumen spielen. Konzerte in Kirchen, Höhlen oder Industriebauten, von Fabrikhallen bis zu Kühltürmen, zählen zu den akustischen Highlights.